In den letzten fünf Jahren legte ich meinen Fokus neben der Leitung von Seminaren und Begleitung von Einzelpersonen, Paaren und Gruppen immer mehr auch auf die Begleitung von Menschen , die von gewaltvollen Konflikten betroffen sind. Inspiriert hat mich dazu ein zur herkömmlichen Strafjustiz alternativer Ansatz names Restorative Justice. Erst im vergangenen Jahr erfuhr ich, dass dieser Ansatz durchaus Wurzeln in Deutschland hat: Walther Schönfeld, Rechtsphilosoph und evangelischer Kirchenrechtler, erwähnte in seinem Buch Über die Gerechtigkeit erstmals die Bezeichnung „heilende Gerechtigkeit.“ Und genau um diese Dimension geht es mir in diesem Ansatz: Das Moment des Heilens für alle unmittelbar Betiligten und all jene, die sich auch von den Auswirkungen betroffen fühlen.

Als Restorative Justice Facilitator unterstützte ich als Coach und Mediatorin von 2011 bis 2012 den Filmemacher Hubertus Siegert bei seinem Dokumentarfilm Beyond Punishment. Dieser Film lief 2015 in einigen Kinos und Gefängnissen in Berlin und deutschlandweit.

Im Rahmen dieses Dokumentarfilmprojekts begleitete ich über einen Zeitraum von neun Monaten in Norwegen jenen jungen Mann, der seine Freundin erschossen hatte sowie den Vater der jungen Frau.

Im Mittelpunkt unserer Gespräche mit jedem von ihnen stand die Frage, ob sie einander in einem begleiteten Gespräch begegnen möchten wie es im Rahmen der Restorative Justice angeboten wird. In der Empathischen Zeit erschien in der Ausgabe vom November 2015 ein Artikel zu meiner Arbeit an diesem Dokumentarfilm (PDF-Download).

Seit 2015 begleite ich eine US-Amerikanerin, deren Bruder von nun mehr drei Jahrzehnten in Deutschland gewaltvoll aus dem Leben gerissen wurde. In den vergangenen zwei Jahren unterstütze ich sie in mehreren Dialogen mit Menschen aus dem Umfeld der Tatverantwortlichen. Dabei konnten wir feststellen, dass auch diese so genannten Stellvertreter-Gespräche für alle Anwesenden Momente des Heilens, tieferen Verstehens und Loslassens bereithielten.

Ab Herbst 2017 werde ich in Kooperation mit zwei Restorative Justice Mitstreiterinnen ein Projekt in einem Berliner Gefängnis durchführen. In diesem Projekt geht es auf einem niedrig schwelligen Niveau u.a. um Begegnungen zwischen Menschen, die schwerwiegende Taten zu verantworten haben und Menschen, die derartige Taten überlebt haben. Ziel ist es gegenseitiges Hören, Verstehen und wahrhaftige Übernahme von Verantwortung zu unterstützen. Derzeit läuft ein kleines Fundraising-Projekt, dass Sie gern unterstützen können. Als Dank für ihre finanzielle Unterstützung erhalten Sie dann von Ostersonntag bis Himmelfahrt (also 40-Tage-lang) eine morgendliche E-Mail Inspiration.